Es war ein nebliger Dienstagmorgen im Lake District, und Peter Hase hatte ein gewaltiges Problem. Seine Schwester Mopsi lag mit einer schweren Erkältung im Bett. Sie hustete so jämmerlich, dass ihr kleiner puscheliger Schwanz zitterte, und das Einzige, was sie essen wollte, war ein Stück von Thomas McGregors berühmtem Sauerteigbrot.
Nun war Thomas McGregor – der Neffe des berüchtigten alten Herrn McGregor – zwar nicht ganz so grimmig wie sein Onkel, hütete seine Küche aber wie eine Festung.
Der Plan: Eine „kurzfristige Leihgabe“
Peter schlich sich durch das hohe Gras. Er nannte es nicht Stehlen. In seinem kleinen Hasenkopf war es eine „unbefristete Sachleihe zum Zwecke der Genesung“.
Durch das offene Küchenfenster stieg ein Duft auf, der selbst einen Stein zum Schnurren gebracht hätte. Da lag es: Goldbraun, knusprig und noch dampfend auf dem Fenstersims. Peter sammelte all seinen Mut, machte einen gewaltigen Satz und landete – patsch – mit den Pfoten direkt neben dem Brot.
Die brenzlige Begegnung
Gerade als Peter seine Pfoten um den Laib schloss, klapperten Stiefel auf den Fliesen. „He! Du kleiner Pelzdieb!“ donnerte eine Stimme.
Thomas McGregor stand in der Tür, ein Geschirrtuch in der Hand. Peter erstarrte. Sein Herz klopfte wie eine kleine Trommel. Thomas stürzte vor, doch Peter war schneller. Mit dem Brot unter dem Arm schlitterte er über den Küchentisch, riss eine Vase mit Gänseblümchen um und sprang mit einem kühnen Satz aus dem Fenster.
Thomas fluchte und rannte hinterher. „Komm zurück mit meinem Frühstück, du langohriger Bandit!“
Eine diplomatische Wendung
Peter flitzte unter den Beerenzäunen hindurch, doch Thomas war ihm dicht auf den Fersen. Fast hätte er ihn am Schwänzchen gepackt, als plötzlich eine ruhige Stimme die Jagd unterbrach.
„Aber Thomas, wer wird denn an einem so schönen Morgen so aus der Puste kommen?“
Dort stand Beatrix, die mit ihrem Skizzenbuch im Garten saß. Sie blickte über ihre Brille hinweg, erst auf den schnaufenden Thomas und dann auf den zitternden Peter, der sich hinter einem Kohlkopf versteckte – das Brot immer noch fest umklammert.
Das Urteil
Beatrix hörte sich Thomas’ Klagen über den „Brot-Raub“ geduldig an. Dann blickte sie zu Peter. „Peter,“ sagte sie sanft, „erklär uns doch mal, warum du so eilig hast.“
Peter piepste leise von der kranken Mopsi und ihrem Husten. Beatrix lächelte und wandte sich wieder an Thomas.
Zitat„Wissen Sie, Thomas, ein Brot schmeckt viel besser, wenn es als Medizin dient, statt nur als Frühstück. Und schauen Sie sich den kleinen Kerl an – er hat riskiert, in einer Pastete zu landen, nur um seiner Schwester zu helfen. Wäre das nicht ein wunderbares Geschenk zum Einzug in die Nachbarschaft?“
Thomas McGregor sah von Beatrix zu Peter und wieder zurück. Er seufzte schwer, rieb sich den Nacken und ließ die Schultern sinken. „Na gut,“ brummte er. „Aber sag deiner Schwester, sie soll gefälligst schnell gesund werden, damit ich wieder in Ruhe backen kann. Und nimm das nächste Mal die Tür!“
Peter verbeugte sich so tief es mit einem Brot im Arm möglich war, und hoppelte eilig nach Hause. Mopsi genoss jeden Krümel der krustigen Leihgabe, die nun offiziell ein Geschenk war.
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Kommentare 4
Kushanku
Ein löffelohriger Brot-Dieb
.
Thunder666
Schließe mich an super süß
interozitor
Schönes Bild und feine Geschichte.

»[…] Er nannte es nicht Stehlen. […]« Stimmt. Die nennen das heute »Sondervermögen«.
Sheeban
Ach ist das süß!