Niemand im Club wusste, wann die beiden gekommen waren.
Sie standen irgendwann einfach dort.
Er an der Bar, schwarzes Hemd, ein Glas vor sich, das er kaum angerührt hatte. Sie wenige Schritte entfernt auf der Tanzfläche. Dunkles Haar, ein Lächeln, das immer ein wenig zu lange auf den Menschen ruhte, die ihren Blick erwiderten.
Als ihre Augen sich zum ersten Mal trafen, mussten beide lachen.
Sie hatten denselben Mann ausgesucht.
„Du warst zuerst hier“, sagte sie später und legte ihm die Hand auf die Schulter.
„Aber du hast ihn zuerst gesehen.“
„Dann gehört er mir.“
Er drehte den Kopf zu ihr. „Du bist neu in der Stadt.“
Es war keine Frage.
Sie lächelte. „Und du glaubst, die Stadt gehört dir?“
„Nach zweiundachtzig Jahren darf man zumindest gewisse Ansprüche stellen.“
Für einen Moment verschwand ihr Lächeln.
Dann lachte sie.
Das war vor drei Monaten gewesen.
Seitdem waren sie unzertrennlich.
An diesem Abend feierten sie. Nicht Geburtstag, nicht Jahrestag und ganz sicher nicht ihre Hochzeit. Für solche Dinge hatten Wesen wie sie irgendwann aufgehört, Jahre zu zählen.
Sie feierten etwas anderes.
Am nächsten Morgen würde die Sonne über einer Stadt aufgehen, in der niemand mehr nach ihnen suchen würde.
Zumindest glaubten sie das.
„Schau nicht hin“, flüsterte sie.
Sein Lächeln blieb, doch seine Augen wanderten zum Spiegel.
„Wohin?“
„Hinter uns. Der Mann am dritten Tisch.“
„Der mit der grauen Jacke?“
Sie nickte kaum merklich.
„Er beobachtet uns seit zwanzig Minuten.“
Seine Hand schloss sich um ihre.
„Vielleicht gefällt ihm dein Kleid.“
„Das ist kein Kleid.“
„Das erklärt einiges.“
Sie musste lachen und schlug ihm spielerisch gegen die Schulter.
Für jeden anderen im Club sahen sie in diesem Moment wie ein junges Paar aus, das einen viel zu guten Abend hatte.
Nur der Mann am dritten Tisch lachte nicht.
Er stand auf.
Unter seiner Jacke blitzte etwas Silbernes hervor.
Jetzt verschwand auch ihr Lächeln.
„Jäger?“, fragte er leise.
„Sieht so aus.“
„Nur einer?“
Sie blickte in den großen Spiegel vor ihnen.
Und erst jetzt bemerkte sie die anderen.
Einer an der Bar.
Zwei neben dem Ausgang.
Eine Frau auf der Galerie.
Und hinter dem Barkeeper ein Gesicht, das sie seit hundertvierzig Jahren nicht mehr gesehen hatte.
Ihre Finger gruben sich in die Schulter ihres Begleiters.
„Wir müssen hier raus.“
Er sah sie an. Zum ersten Mal an diesem Abend war keine Spur eines Lächelns mehr in seinem Gesicht.
„Was ist?“
Sie starrte weiter in den Spiegel.
„Das sind keine Jäger.“
„Was dann?“
Die Gestalt hinter der Bar hob langsam ihr Glas und prostete ihr zu.
Sie flüsterte nur einen Namen.
Und plötzlich verstand er, weshalb sie ihm nie erzählt hatte, warum sie vor drei Monaten in seine Stadt gekommen war.
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rjordan
Tanz der Vampire!
