Liegengeblieben
Die Nordsee lag da wie ein frisch gebohnter Parkettboden – spiegelglatt, stockfinster und so kalt, dass den Fischen vermutlich die Schuppen klapperten. Mitten in dieser Einöde trieb der stolze Schlepper „Elbe I“, doch aus dem Schornstein kam nicht mal mehr ein müdes Wölkchen.
Kapitän Blaubär stapfte mit hochrotem Kopf (was bei seinem blauen Fell eher wie ein tiefes Violett aussah) in den Maschinenraum. Dort saß Hein Blöd auf einer leeren Kohlenkiste und versuchte, eine einzelne Kerze mit seinem Atem warmzuhalten.
„Hein!“, donnerte der Bär, dass die Nieten im Rumpf erzitterten. „Der Kessel ist aus! Die Anzeigen stehen auf Null! Warum haben wir keinen Dampf mehr?“
Hein sah den Käpt’n mit großen, unschuldigen Augen an. „Och, Käpt’n… das ist eine ganz raffinierte Taktik. Ich nenne es das 'Thermische Versteckspiel'. Wenn wir nicht heizen, können uns die Eisbären per Infrarot nicht finden!“
„Wir sind in der Nordsee, Hein! Hier gibt es keine Eisbären!“, brüllte Blaubär. „Du hast vergessen, die Kohlen zu ordern, gib es zu!“
Hein schüttelte bedächtig den Kopf. „Nein, nein, Käpt’n. Das war eine bewusste Entscheidung für die Umwelt. Ich habe gelesen, dass die Fische nachts gerne mal ihre Ruhe haben wollen. Und so ein loderndes Feuer im Kessel macht doch viel zu viel Lichtspektakel unter Wasser. Ich wollte einfach mal ein 'Stille-Nacht-Paket' buchen.“
„Ein Stille-Nacht-Paket? Wir erfrieren hier gleich!“, zeterte der Bär. „Erklär mir sofort, warum der Bestellzettel für das Brennmaterial noch in deiner Tasche steckt!“
Hein zog den zerknitterten Zettel heraus und betrachtete ihn mit fachmännischem Blick. „Ah, der! Wissen Sie, Käpt’n, ich wollte eigentlich gerade losgehen und die Kohlen persönlich abholen. Aber dann dachte ich mir: Hein, dachte ich, wenn du jetzt das Schiff verlässt, wer passt dann auf, dass der Kessel nicht wegläuft?“
„Der Kessel wiegt zehn Tonnen und ist festgeschraubt!“, stöhnte Blaubär und hielt sich die Pfoten vors Gesicht.
„Sehen Sie!“, triumphierte Hein. „Er ist noch da! Meine Strategie hat perfekt funktioniert. Und gegen die Kälte habe ich auch schon einen Plan: Wir erzählen uns jetzt gegenseitig so richtig heiße Lügengeschichten, bis das Thermometer vor Scham wieder nach oben klettert. Fangen Sie doch mal an, Käpt’n… wie war das damals mit dem brennenden Eisberg?“
Blaubär schnaubte, zog seinen Mantel enger und brummte: „Na gut, Hein. Aber wenn wir morgen früh nicht abgeschleppt werden, dann wirst DU den Schlepper persönlich nach Cuxhaven pusten!“
„Gerne, Käpt’n“, strahlte Hein. „Ich habe heute Mittag sowieso Zwiebelsuppe gegessen. Das gibt ordentlich Rückenwind!“
Kommentare 5
Alex
Seemannsgarn - wird immer abgewickelt, wenn sonst nix geht.
ritch
Heins Logik ist umwerfend
spacebones
Kushanku
So kann es einem ergehen mit Hein Blöd an Bord.....dumm gelaufen.
Licke
Was soll man dazu sagen.... die Hamburger sind eben nicht nur maulfaul, sondern auch noch strunz geizig.... Fahren mit FA (Furzantrieb)....ts,ts,ts aber was ist, wenn sie einen abschleppen müssen? Na die geschleppten werden sich bedanken....
Beim Anblick des Bootes kriegt man ja ordentlich Heimweh... zumal wir in Turin auch gerade Hamburger Schmuddelwetter haben....
PBuG.... Prima Bild und Geschichte....
