Chochi hatte die Männer schon vor Sonnenaufgang aufbrechen sehen. Takani hatte ihr verboten, ihnen zu folgen. Er und seine Krieger wollten allein herausfinden, wer seit Tagen die Pferde ihres Stammes verschwinden ließ.
Doch Chochi wusste etwas, das ihr Bruder nicht wusste.
In der Nacht hatte sie Spuren am Fluss gefunden. Keine Hufeisen, keine Stiefelabdrücke, nur schmale Fußspuren, die dort endeten, wo der felsige Boden begann. Daneben lag eine einzelne schwarze Feder. Sie kannte dieses Zeichen.
Ihr Vater hatte ihr als Kind von den Kriegern erzählt, die es trugen. Man hielt sie seit vielen Jahren für verschwunden. Und wenn sie tatsächlich zurückgekehrt waren, würden Takani und seine Männer geradewegs in eine Falle reiten.
Chochi legte den Kopfschmuck ihres Großvaters an. Dann nahm sie die beiden alten Klingen von der Zeltwand. Niemand im Lager wusste, dass ihr Vater ihr beigebracht hatte, mit ihnen zu kämpfen. Sie trat hinaus ins Morgenlicht.
Zum ersten Mal würde sie ihrem Bruder nicht folgen. Diesmal würde sie ihn retten.
Kommentare 2
Sheeban
Spannende Story, aber das ist doch immer noch ein Kind und keine erwachsene Frau.
AJN Autor
In erster Linie ist Chochi eine Kämpferin mit außergewöhnlich viel Mut, die plötzlich vor einer Situation steht, in der nur noch sie ihre Sippe und ihren Bruder retten kann. Sie weiß, dass sie den fremden Kriegern in einem offenen Kampf unterlegen wäre. Deshalb muss sie sich auf das verlassen, was sie schon ab ihrem 5. Lebensjahr gelernt hat: sich lautlos anzuschleichen, ungesehen in ein feindliches Lager einzudringen und ihre Gegner im Schutz der Nacht zu überraschen. Jetzt muss sie all ihren Mut zusammennehmen und die gefangenen Krieger befreien, bevor es zu spät ist. Denn Chochi weiß auch, was ihr droht, wenn sie nichts unternimmt und ihre Sippe besiegt wird. Dann könnte sie selbst in die Hände des fremden Stammes fallen und als Trophäe enden. Gerade deshalb gibt es für sie keinen Weg zurück. Sie muss handeln, nicht nur für ihren Bruder und ihre Sippe, sondern auch für ihre eigene Freiheit.