diefa: Ich mag die deutsche Sprache auch sehr, obwohl ich nach wie vor begreife, dass eine kleine Softwarefirma ihre Produkte aus marktpolitischen Gründen nicht auf deutsch veröffentlicht.
Weniger Verständnis habe ich für die Rechtschreibereform. Zwar hat sich die Sprache tatsächlich weiterentwickelt (nicht erst seit Goethe), aber im Deutschen bisher nie durch irgendwelche Reformen von oben, sondern auf langsame, natürliche Weise, wie das lebendigen Sprachen nun einmal so eigen ist. Nach und nach fliessen neue Begriffe ein, verändert sich die Schreibweise usw. usf. Dagegen hat niemand etwas einzuwenden, und niemand könnte sowas aufhalten. Die Reform allerdings (erst recht die geplanten) dient teilweise auch dazu, die deutsche Sprache, die du hier so verteidigst, den Deppen anzupassen, die überhaupt nicht damit klarkommen. Sprache wird somit verwässert, Ausdrucksmöglichkeiten beschnitten und dank der rigorosen Eindeutschung mancher Fremdwörter gehen auch linguistische Hinweise verloren. Die durchgeführte Reform war zwar nichts im Vergleich zum eigentlich geplanten, aber vom "Bot" statt "Boot" trennen uns vermutlich nur noch ein paar Jahrzehnte. Alles in allem dient die Sprache ja nicht nur als Werkzeug zum Ausdruck, sondern auch des Denkens. Auch du wirst schon festgestellt haben, dass immer mehr junge Leute (sei's in Deutschland oder hier) Schwierigkeiten haben, sich auszudrücken, logische Sachverhalte zu erkennen und einen einigermassen einfachen Satz zu begreifen. Das liegt sicherlich weniger an der Rechtschreibereform als an anderen Entwicklungen, aber sie trägt bestimmt nicht dazu bei, etwas zum Guten zu ändern. Dass die Bildungspolitik als Ganzes nichts taugt, lässt sich ja auch nachweisen. Wir Schweizer haben zwar euch gegenüber noch einen kleinen Vorsprung, aber wir arbeiten daran... So gab's bei uns vor kurzem eine kleine Reform bezüglich der Matura (unser Abitur), die dazu geführt hat, dass die angsehenste Hochschule, die ETH (deren Ausbildung nicht nur international als deutlich besser eingestuft wird als die an unseren Universitäten) den Grossteil der jetzigen Maturanden als "nicht hochschulfähig" einstuft. Die sind denn auch mit alptraumhaften Ergebnissen durch die ersten ETH-Prüfungen gerasselt (70 oder 80 % haben nicht bestanden, obwohl sich an der ETH-Ausbildung nichts geändert hat. Die "Neuen" brachten nur einfach schlechtere Voraussetzungen mit). Nur so als Beispiel. Weitere Sprachreformen werden letztlich dazu beitragen, dass das Niveau weiter sinkt, nicht nur im deutschen. Die geplanten Rechtschreibereformen, das wenige, was man darüber liest jedenfalls, erinnern mich schon sehr an orwellsches Neusprech.
In diesem Sinne: Uga, uga
DrZen
P.S.: Ich weiss, das gehört alles nicht hierher, aber es wollte einfach gesagt sein ![]()