
Eloraiah und Itsuki waren schon ein
paar Tage unterwegs und gingen seit einer Weile schweigend
nebeneinander her. Für Eloraiah war es ziemlich ungewohnt, eine
längere Strecke zu Fuß zu gehen, und dummerweise hatte sie für
eine Wanderung auch nicht das geeignete Schuhwerk. Außerdem war so
auch der Weg schlechter zu erkennen. Aus der Vogelperspektive war es
deutlich einfacher, die Richtung zu bestimmen. Wie sollten sie auf
diese Weise längere Strecken zurücklegen?
Verstohlen schaute sie zu Itsuki
hinüber. Er trottete mit hängendem Kopf neben ihr her. Was dachte
er wohl? Zumindest sah er nicht sehr glücklich aus. Wenn sie so
recht darüber nachdachte, konnte sie ihm das auch kaum verübeln.
Wäre sie in seiner Situation, ginge es ihr vermutlich genauso.
Itsuki seufzte. „Geht es dir
gut?“, fragte Eloraiah. „Wie soll es mir schon gehen“,
erwiderte Itsuki. „Weißt du überhaupt, wo wir hin müssen?“
„Gute Frage“, dachte Eloraiah.
„Na ja, wir müssen zu den Zwillingsseherinnen. Es ist nur nicht
ganz so einfach, die zu finden.“
„Sind die im Urlaub, oder auch
Reisende wie du? Wir könnten bestimmt jemanden fragen, ob er sie
gesehen hat oder weiß, wo die gerade sind.“ Suchend schaute Itsuki
sich um, als erwartete er diverse Leute zu sehen. Aber da war
niemand.
In den letzten Stunden schien sich
auch die Landschaft verändert zu haben. Anstelle von grünen Bäumen
und bunten Blumen war die Gegend jetzt eher karg und felsig.
Jetzt seufzte Eloraiah. „Um
ehrlich zu sein, niemand hat die Zwillingsseherinnen in den letzten
Jahrhunderten gesehen. Es ist auch gar nicht erwiesen, ob sie
überhaupt noch leben.“
„Na großartig! Und was ist dein
Plan B?“, fragte Itsuki gereizt.
„Also, ich …..“ setzte
Eloraiah an und wurde von Itsuki mit einem kleinen Schrei
unterbrochen.
„Was ist das? Du hast doch
gesagt, es gäbe hier keine Monster. Nennst du eine Riesenspinne ein
Schoßhündchen?“, stotterte Itsuki aufgeregt und deutete mit
seiner Hand nach vorne.
„Ähm, ich denke, wir sollten
einen anderen Weg nehmen“, schlug Eloraiah vor und wandte sich nach
links. Aber auch dort tauchte eine Riesenspinne auf. Ehe die beiden
sich versahen, waren sie von den Biestern umzingelt, und die beiden
versuchten sich auf einen Felsen zu retten.
Wenn Eloraiah eines verabscheute,
dann waren es Spinnen. Als einer der Biester nach ihrem Bein greifen
wollte, sprang sie Itsuki kreischend in die Arme und klammerte sich
an ihm fest.
„Oh“, Itsuki war überrascht.
„Was ist los? Schrei doch nicht so hysterisch! Du bist doch
diejenige mit den Flügeln und könntest einfach weg fliegen.“
„Aber ich kann dich nicht
tragen“, jammerte Eloraiah.
Itsuki sah sich um. „Wir könnten
die Felsen hochklettern, und du könntest fliegend quasi
Unterstützung leisten, damit ich nicht abstürze.“ Gesagt –
getan, Itsuki wandte sich den Felsen zu und begann hinaufzuklettern.
Nachdem sie aus ihrer Erstarrung
aufgewacht war, flog sie zu Itsuki und versuchte ihn beim Aufstieg zu
unterstützen. Ängstlich blickte Eloraiah ständig nach unten zu den
Spinnen. Folgten sie ihnen auch nicht? So wie es aussah, taten sie
das nicht. Die Spinnen wuselten nur wild umher und schienen nach
ihrer Beute weiter auf dem Boden zu suchen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit und
in ständiger Angst abzustürzen, erreichten sie endlich das Ende der
Felswand. Erschöpft ließen sie sich ins Gras fallen.
„Puh, das war knapp“, stöhnte
Eloraiah.
„Du hast gut reden. Für dich war
es nun wirklich nicht knapp. Ich wäre beinahe drauf gegangen“,
schrie Itsuki wütend. „Du warst doch nie ernsthaft in Gefahr.
Eloraiah
schaute etwas betreten auf den Boden.
„Ich
wäre ganz bestimmt nicht einfach weggeflogen und hätte dich
zurückgelassen. Das musst du mir glauben.“erwiderte Eloraiah
ziemlich kleinlaut. „Und die Riesenspinnen hatte ich erfolgreich
verdrängt. Ich hasse Spinnen.“