Als ich in das Dorf kam

Es gibt 9 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Ghostpanther.

  • CARRARA


    Als ich in das Dorf kam

    ein Bild zu einem neuen Lied von mir.

    Hier ist der Link, damit Du Dir direkt beim Betrachten des Bildes die dazu gehörende Musik anhören kannst.

    Das Lied nimmt zur Zeit an einem Wettbewerb teil, bitte gebe bei dieser Gelegenheit auch gleich Deine Stimme ab. Für einen Kommentar muss man sich leider erst einloggen.

    https://hofa-contest.com/song/3133/


    Worum geht es bei Bild und Lied?



    Anfang des Jahres habe ich einen alten Kumpel besucht, den ich länger nicht gesehen hatte. Er wohnt recht idyllisch in einem kleinen Dorf am Waldrand.


    Bei meinem Besuch lief alles schief. Was ich wohl nur so nebenbei vor zehn oder zwanzig Jahren geahnt hatte: seine Ehefrau hatte sich zu einer Alkoholikerin entwickelt. Unglücklicherweise hatte der alte Kumpel gerade aktuell alle ihre Alkohol-Vorräte vernichtet: Weißwein und Birnenschnaps. Das mischte sie immer fleißig. Früher hatte ich gedacht, sie macht das nur zu besonderen Anlässen, Parties und so weiter.


    Sie braucht diesen Cocktail jeden Tag. Zwei Flaschen.


    Der Zeitpunkt war ungünstig gewählt, des Kumpels Ehegespons schrie herum, dann zerschlug sie die Scheibe seines Autos, als wenn im Innern des abgeschlossenen Autos der Zündschlüssel stecken würde! Ihr Auto war von ihm zugeparkt. Im Dorf bekam man keinen Alkohol. Ich wurde am Rande auch angeschrien, was für ein Arsch ich grundsätzlich sei und warum ich kein flüssiges BegrüßungsGeschenk mitgebracht hatte.


    Es war kein Ende abzusehen und so bin ich im Dämmerlicht abmarschiert. Denn er konnte mich nicht auf den nächsten Tag vertrösten, dass dann alles besser werden würde. Die erhoffte Wanderung am nächsten Tag durch Wald und Heide kam auch nicht in Anbetracht, da der alte Kumpel gerade neue Hüften bekommen hatte.


    Die nächste Kreisstadt war ein ordentliches Stück entfernt, ich hatte mich bei einer abbiegenden Landstraße vertan, irgendwann hatte ich mich ganz verlaufen. Aber in Deutschland ist man nie wirklich allein, irgendwo sieht man immer ein elektrisches Licht.

    Bahnhof gefunden und zwei Stunden später nahm mich der letzte Zug mit.


    Am nächsten Tag war dieses Lied da. Innerhalb von einer knappen Stunde, inklusive Text. Die handwerkliche Umsetzung dauerte dann natürlich etwas länger.


    Das Bild umzusetzen war natürlich überhaupt kein Problem, ich nahm einfach die Dorfstrasse. Gut, - in der Realität liegt der Friedhof hinten rechts und der Bauernhof ist nicht ganz so historisch wie linkerhand zu sehen.


    Ich hoffe, ich habe die Atmosphäre sowohl bei Lied und Bild eingefangen.



    Zum Bild:

    Unschwer sind die deutschen Elemente zu erkennen, die ich natürlich selber machen musste.

    Wunderschön macht sich der alte Bauerhof von rjordan als Rahmen linkerhand. rjordan hat ihn gerade erst kürzlich im Download-Bereich eingestellt, ebenso den passenden Pflug.

    Da ich in CARRARA arbeite, habe ich die boardeigenen Shader und Texturen verwendet.


    Also, Musik-Voting über den Link oben, Deine Kritik zum Bild direkt hier im Forum!! ;-)


    t-techniker

  • Das ist eine traurige Geschichte.;(

    Aus der Erfahrung, die ich bei einem Kollegen habe machen müssen, habe ich gelernt:

    Erst wenn der Alkoholkranke ganz unten ist hört er vielleicht damit auf und lässt sich helfen. Er wurde Clean!

    Andere Beispiele kenne ich auch die leider jetzt Obdachlos sind und ihre tägliche Ration erbetteln.

  • Ich habe Dir meine Stimme gegeben, weil ich wunderbar finde, wie Du eigene Gedanken und Gefühle transportierst. Ich habe keine Ahnung von Musik oder vom Musikmachen, aber jede Zeile ist bei Dir ein Bild, das ist wahrscheinlich die hohe Kunst beim Lieder schreiben. Besonders schön finde ich die Parabel mit dem Hahn, mit wenigen Worten eine umfassende Aussage. Echt Klasse! :thumbup:


    Das Bild drückt alles nochmal genauso deutlich aus, die Stimmung ist auf andere Weise treffend eingefangen. Chapeau! Diese enge, verlassene Straße, wo man sich fragt, ob da wirklich je ein Bus durchkam, irgendwie bedrückend...


    Als kleiner Tipp: Ich würde dem Horizont ein wenig Tiefenunschärfe geben, das macht das Bild vielleicht noch ein wenig räumlicher und die Trostlosigkeit etwas endloser. :)

  • Was für eine trauig und horrorhaftes Erlebnis.

    Wie du dich dabei gfühlt hast,hast du in deinem Song sehr gut herüber gebracht, dafür habe ich dir mine Stimme gegeben.

    Zum Bild kann ich nicht wirklich was sagen, denn ich lebe in einem Dorf und Hunde liebe ich eh. Also für mich nichts Bedrückendes oder Trostlos aber im Bezug

    zu deiner Geschichte hat es was.

    MfG rHighleg

  • Vaeryn : ich werde Deinem Tipp mit der Tiefenunschärfe nachgehen, sobald ich in einigen Wochen wieder aus dem Urlaub zurück bin. Auf jeden Fall muss die Funktion der Berge erhalten bleiben. Denn es stellt zwei Menschen dar, die noch miteinander kommunizieren können.


    Mehr oder weniger ist im Dorf alles verdorrt, während außen herum alles grünt und blüht. Das ist leider nicht so gut zum Ausdruck gekommen. Nicht alles lässt sich eins zu eins vom Kopf ins Bild setzen.


    Zuerst saß rechts auf der Mauer noch der Hahn, aber dann sah das alles zu sehr nach Bremer Stadtmusikanten aus. Und der bedrohliche Rotweiler sollte unbedingt bleiben.


    Seitdem ich einen Blick für Alkoholismus habe, ist mir ein Artikel in der Süddeutschen ins Auge gefallen. Darin ging es um Co-Abhängigkeit.

    Etwas ganz kompliziertes.

    Der Partner nimmt die Sucht ebenfalls an, um nicht mehr dagegen an kämpfen zu müssen. Das passiert unbewusst und man kann als Außenstehender dann gar nichts mehr machen.


    Im Fall von meinem Kumpel fallen mir nachträglich immer mehr Zeichen auf. Zum Beispiel erwähnten die beiden vor einem Jahr ziemlich gleichgültig, dass sie nicht mehr zum Sport gehen, aus dem Verein sind sie ausgetreten und Freunde hätten sie eigentlich überhaupt nicht mehr.

    Und der jährliche Urlaubsort in Österreich will sie nicht mehr als Gäste haben.

    Schon krass, was es alles für unbekannte Abgründe im menschlichen Miteinander gibt!


    Vielleicht haben wir kreativen Menschen es leichter, mit solchen Abgründen umzugehen. Wir können unsere negativen Gefühle und Gedanken in ein Bild/Lied/Roman einsperren!



    MrHighleg : für unseren Familienurlaub habe ich ein Haus in einem winzigen Dorf im Teutoburger Wald gemietet. Bei Google Maps konnte ich nicht einmal eine BushalteStelle finden. Wir werden mit dem Fahrrad anreisen. Mal sehen, wie das Dorf auf mich wirkt.

    Schön wären Fotos von einer verlassenen Gärtnerei mit viel gläsernen Gewächshäusern. Wo hier und da schon eine Glasscheibe zersprungen ist.

    Für mich ein Symbol einer verschwundenen Zeit.

    Und natürlich echte alte Bauerngärten. Möglichst ohne Plastik und Beschriftungen. Moore, Felsen, Bäume suche ich auch immer zum fotografieren.

    Ich denke, da hat jeder seine Vorlieben (ein Arbeitskollege mietet tatsächlich einmal im Monat ein nacktes Mädchen, nur um es zu fotografieren!)



    t-techniker

  • Sehr traurige Geschichte!
    Aber ein wirklich gutes Lied. Und offenbar magst Du auch die guten alten Beatles - aber es ist einzigartig. Und das Bild auch.

  • Meine Stimme hast du auch. Am Anfang klangen die dissonanten Töne ziemlich gruselig, aber dank deiner Stimme hatte ich schließlich das Gefühl, einem Moritaten- oder Bänkelsänger zuzuhören. Sehr gut gemacht und gesungen!

    Der Hund im Bild wirkt auf mich allerdings nicht bedrohlich, was sicherlich daran liegt, daß ich Rottweiler wie auch Dobermänner, denen er mehr ähnelt, sehr mag. Die Trostlosigkeit der Dorfstraße kommt dagegen super rüber! Solche Ecken kenne und fürchte ich auch. Mir tut es immer leid zu sehen, daß die Menschen nicht mehr dazu in der Lage sind, ihrem Umfeld Leben einzuhauchen.